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Nachruf auf Helmut Frielinghaus
Helmut Frielinghaus war gelernter Buchhändler. Eine seiner ersten Stationen war die Librería Buchholz, S.A., in Madrid, in der er von 1952 bis 1957 arbeitete. Vieles von dem, was später an ihm gerühmt wurde, verdankt sich diesem Umstand. Bücher gehörten in Buchholz' Filialen selbstverständlich mit Kunst zusammen, und Kunst war nicht zu trennen vom Weltgeschehen. Wenn Frielinghaus sich als Lektor, Verlagsleiter und Übersetzer mit stillem Nachdruck und mitreißendem Fleiß für Autoren und Bücher einsetzte, dann lag das vor allem daran, dass er wusste, was Bücher für Leser bedeuten können. Um einen Titel für ein Seminar gebeten, schrieb er: "Wie wäre die Überschrift: 'Lesen - Übersetzen - Lektorieren'? Käme mir sehr entgegen. Es ist alles so sehr verknüpft, und eben das wäre ein wichtiger Teil."
Er hat spanische und südamerikanische Bücher übersetzt, später John Updike und Raymond Carver ins Deutsche gebracht; er hat Bücher von Günter Grass und Anna Mitgutsch und von vielen anderen lektoriert. Dass die Bücher von Vigoleis Thelen noch immer lieferbar sind, dürfte sein Verdienst sein. 1995 entschied er sich noch einmal fürs Abenteuer und zog als Freiberufler nach New York. Es war die Stadt seiner Wahl, kaum war er dort, kam sie ihm entgegen. Als er sie verließ, nach dem 11. September 2001, hatten deutschsprachige Leser gelernt, sie mit seinen Augen zu sehen. Die Bemühungen um Uwe Johnson und sein Werk hat er begleitet und befördert, da war an eine Uwe Johnson-Gesellschaft noch nicht zu denken. Für die Tagung in Ganzlin, 1998, schlug er Referenten vor und schrieb einen Tagungsbericht. Der Tonfall dieses Berichts war ganz dem Leser zugewandt und enthielt auch ein Bild seines Verfassers: "Der Reisende, der zum Morgenspaziergang das weitläufige Gelände des dortigen eleganten neuen Hotels verläßt, geht entweder unter Eichen und Buchen am Ufer des streckenweise von unzähligen altmodischen, grün gestrichenen Bootshäusern gesäumten Sees entlang, oder er erkundet den kleinen Ort Stuer, wo er auf mehrere verlassene, verfallende Ferienheime und auf ein gleichfalls aufgegebenes, dem See zugewandtes ehemaliges Herrenhaus mit einem Marmorengel im verwilderten Garten stoßen wird." Als der Reisende zwölf Jahre später auf der ersten Rostocker Johnson-Tagung zu Gast war, begrüßte er Freunde und Bekannte, denen dieser Ton inzwischen vertraut war: Frielinghaus hatte sie mit Wegbeschreibungen und Empfehlungen für Spaziergänge versorgt.
Helmut Frielinghaus war umsichtig, heimlich heiter, fürsorglich. Oft hätte er wünschen können in der Gewissheit, dass andere ihm verpflichtet waren. Er bat stattdessen. Bei jungen Leuten, nicht nur Autoren, sah er, welcher Schritt der naheliegende nächste war. Er ließ sie durch Zusehen lernen. Das Wort Schützling gebrauchte er nicht. Wenn er Leute wiedersah, suchte er sie ab nach den Spuren ihrer Arbeit. Die Amerikaner nennen solches Verhalten keeping a watch. Angeblich sagen die Mecklenburger häuden dazu.
Am 29. Januar ist Helmut Frielinghaus im Alter von 81 Jahren gestorben. |